Apropos Medienkompetenz
Medienkompetenz ist ein Schlagwort, das nicht umgangen werden kann, wenn es darum geht, warum neue Medien im Unterricht eingesetzt werden sollen - aber auch eines, das genau hinterfragt werden muss, um Medienkompetenz letztendlich zu erreichen.
Medienkompetenz umfasst nicht nur die Fertigkeit des Umgangs mit Medien, sondern auch die Form des Umgangs mit Medien.
Die
Medienoffensive Schule II definiert Medienkompetenz entsprechend als "sachgerechten, kreativen, sozial verantwortlichen Umgang mit Medien", listet Institutionen, die Medienkompetenzen vermitteln in einer
Broschüre und unterstützt beispielsweise mit
MediaCulture solche Projekte und Netzwerke, die die "bewusste, kritisch-reflexive Mediennutzung" fördern.
Informationen beurteilen statt konsumieren
Obwohl immer mehr Jugendliche zunehmend häufig "im Internet" sind, bleibt die bewusste, kritisch-reflexive Mediennutzung häufig ein Defizit, zeigen Tobias Zimmermann, Viviane Kappes und Paul Michel (2006):
"Dass die Schüler das WWW zur Informationsbeschaffung bevorzugen, bedeutet allerdings mitnichten, dass sie es auch sinnvoll zu nutzen wissen, geschweige denn darüber zu reflektieren in der Lage sind – insofern kann das Klischee einer heranwachsenden Generation mit Bits und Bytes im Blut bloss auf der Ebene der Einstellungen bestätigt werden."
Medienkompetenz für die Zukunft
Erst die bewusst kritisch-reflexive Mediennutzung ist eine Kompetenz zur Orientierung in der Medienwelt. Insofern ist sie eine wichtige Voraussetzung für politische Bildung und verantwortungsvolles Handeln in Gegenwart und Zukunft, erläutert Ulrich Sarcinelli auf der
Hompepage der Bundeszentrale für politische Bildung.
Gleichzeitig tragen die medienspezifischen Kenntnisse und Fertigkeiten zur Sicherung der beruflichen Zukunft bei: Den Bedarf und die Einsatzmöglichkeiten von innovativen Informations- und Kommunikationstechnologien untersucht das im Rahmen der Zukunftsoffensive III vom Land Baden-Württemberg geförderte Forschungsprojekt FAZIT. In der so genannten Delphi-Studie hat das Projekt Wahrscheinlichkeitsthesen formuliert, nach denen virtuelle Arbeitsformen bis 2020 noch zunehmen. Für immer mehr, auch einfache Arbeiten seien wahrscheinlich sehr gute IT-Kenntnisse erforderlich. „Daher werden Arbeitskräfte ohne IT-Kenntnisse aus dem Arbeitsmarkt herausgedrängt.“
4 Dimensionen von Medienkompetenz
Indem Schüler Medien kreativ und kritisch nutzen, können sie die viel beschworene "knowledge gap", die soziokulturell bedingte Wissenskluft, überwinden. Warum, verdeutlicht Dieter Baacke. Er unterscheidet 4 Dimensionen von Medienkompetenz:
1. Medienkritik: als anatyische und reflexive Kompetenz mit ethischer Dimension
2. Medienkunde: als Wissen über Medien und Mediensysteme sowie ihre Handhabung
3. Mediennutzung: rezeptiv, anwendend und interaktiv
4. Mediengestaltung: als kreative und innovative Kompetenz
D. Baacke, "Medienkompetenz als zentrales Operationsfeld von Projekten", in: medienpädagogik: Medienkompetenz. Modelle und Projekte. Broschüre und CD-ROM. Hrsg. v. D. Baacke et al. Bonn:
Bundeszentrale für Politische Bildung 2004.
Mit dieser Differenzierung zeigt Baacke Medienkompetenz als Konglomerat von Kompetenzen, die weit über die Neuen Medien hinaus gehen: Analysieren, Kommunizieren, Gestalten und Handeln sind vielmehr Schlüsselqualifikationen, die für alle Bereichen des Lebens geschult werden, und neue Herausforderungen an die Medienpädagogik stellen.
Dass diese Medienkompetenzen nicht zu einer Verschlechterung der Informationsverarbeitung, sondern im Gegenteil auch abseits des Computers zu einer verbesserten Informationsverarbeitung führen, zeigen
C. Wecker, C. Kohnle und F. Fischer, "Computer literacy and inquiry learning: When geeks learn less". In:
Journal of Computer Assisted Learning 23.2 (2007), S. 133-144.









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