Lehrer im Web
Die Rolle der Lehrperson ist von unterschiedlichen Lerntheorien immer wieder anders definiert worden. Unabhängig davon müssen Aufgaben und Funktionen der Lehrperson für webbasierte Lehr-/Lernszenarien angepasst werden:
In der Lernphase können viele Funktionen der Lehrperson wie z. B. die Definition der Lernziele und Hilfestellungen in die Lernkurse integriert oder begleitend angeboten werden.
Insbesondere das Feedback (Rückmeldung) ist wesentlich für Motivation und Lernerfolg der Lernenden. Gleichzeitig verändert sich die Rolle der Lehrerin oder des Lehrers.
Differenzierte Rollen
"Web 2.0 verändert auch die Anforderungen an den Schulunterricht", erläutert ein Artikel auf
BildungsKlick.de am 14. September 2007 und der
Lehrerfortbildungsserver spricht von einem Paradigmenwechsel vom zentralen Akteur des Unterrichts zum Lernbegleiter und Gestalter von Rahmenbedingungen.
Ulrich Müller und Ulrich Iberer betonen umgekehrt, dass der Einsatz neuer Medien das Spektrum der Lern- und Lehrmethoden erweitert. Dem personal vermittelten Lernen schreiben sie in der neuen Bildungslandschaft drei Funktionen zu:
- Individuelles Lernen begleiten, orientieren und unterstützen
- Kooperatives Lernen durch personale Begegnung vertiefen, wie es beispielsweise mit Peer-Tutoring und Feedbackverfahren möglich ist,
- Ganzheitliche Zugänge zu Inhalten eröffnen.
Die ideale Online Betreuung beschreibt der
Weiterbildungsserver Baden-Württemberg.
Handlungsdimensionen und Kompetenzen
Kerres, Euler, Seufert, Hasanbegovic und Voss fordern im 6. Arbeitsbericht des Swiss Centre for Innovations in Learning (SCIL)
"eine Erweiterung von Lehrkompetenz um neue Anforderungen, die sich durch die Technik ergeben, und zum anderen eine Ausdifferenzierung bereits bestehender Lehrkompetenz, wenn es um die Nutzbarmachung dieser Technik in nunmehr eLearning-gestützten Lernsituationen geht."
Welche Handlungsdimensionen und Kompetenzbereiche (Sach-, Selbst-, Sozialkompetenz) von LehrerInnen sich im Blended Learning verändern, entschlüsseln die Autoren z. B. für
(1) Lehrerzentrierten Unterricht mit eMedien
(2) Kooperatives Lernen mit digitalen Lernressourcen und -werkzeugen (vgl. Kollaboration)
(3) Lernerfolgsprüfung mit eAssessment (vgl. (Selbst-)Tests)
(4) Selbstgesteuertes Lernen mit e-tutorieller Begleitung
(5) Reflexives Lernen mit Diskussionsforen (vgl. Reflexives Schreiben)
(6) Fallbasiertes Lernen mit Webressourcen (vgl. Problembasiertes Lernen)
(7) Entdeckendes Lernen mit computerbasierten Simulationen (vgl. Planspiel/Simulation)
Perspektivwechsel
Sylvia Buchen und Ingo Straub (2005) weisen außerdem darauf hin, dass Lehrerinnen und Lehrer eine kritische und reflexive Mediennutzung nur dann fördern können, wenn sie die Erfahrungen und Sinnstrukturen der Schülerinnen und Schüler verstehen – keine Selbstverständlichkeit:
"Die Schülerschaft der Haupt- und Realschulmilieus bewegt sich in der Regel in Netzwelten, die sich deutlich von den medialen Praxen ihrer Lehrkräfte unterscheiden. [...] Vor diesem Hintergrund bieten sich die Erzählungen Jugendlicher (Transkriptionsausschnitte) über ihre medialen Erfahrungen, wie wir sie in unserem qualitativen Forschungsprojekt erhoben haben, für die Lehrerbildung und -fortbildung nachgerade dazu an, ‹fallbezogene Urteilskraft› zu entwickeln."
Literatur
Müller, Ulrich / Iberer, Ulrich (2000): "Lost in Cyberspace? Bildung: personal oder medial vermittelt?". In: familie@bildung. Neue Medien in Familienbildungsstätten. Eine Arbeits- und Orientierungshilfe. Hrsg. v. Ulrich Papenkort. Landesarbeitsgemeinschaft für kath. Erwachsenenbildung in Nordrhein-Westfalen. S. 52 - 59.
Online unter
http://www.neue-lernkultur.de/publikationen/bildungmedialpersonal.pdf








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